Veröffentlicht in Neustart

Themenwoche Psychohygiene

Die liebe Hermione Rescue hat zum Beginn dieser Woche zur ‚Themenwoche Psychohygiene‘ aufgerufen und auch ich möchte es mir nicht nehmen lassen, etwas dazu zu schreiben.
(Was es übrigens mit dem #TeamAsozialesPack auf sich hat könnt ihr auch bei ihr auf dem Blog erfahren! 😉 )

Psychohygiene. 
Ein Wort, das irgendwie merkwürdig professionell und herzlich wenig praxisbezogen klingt.
Von Anfang: Psycho-Hygiene.

‚Psycho‘. Aha. Irgendwas mit Seele, Geist, und Befindlichkeit derer.

‚Hygiene‘, – also irgendwas mit sauber. Was genau? Puh. Typsache.

Individuell.
Ich denke, Psychohygiene, das hat genau wie Haushaltshygiene oder gar Körperhygiene mit dem Individuum an sich zu tun.
Einige unter uns mögen es besenrein im Haus. Andere wollen sich in jeder Oberfläche glänzen sehen, wieder anderen reicht ein solides Chaos mit ner Schicht Staub auf jedem Ding. Und dann gibts natürlich noch die Messis. Und die Hygienefetischisten.

So oder so, jeder entwickelt früher oder später seine Routinen.
Schon als Kind bekommen wir beigebracht, wann man sich wäscht, die Zähne putzt oder den Tisch abwischt. Früher oder später wird es uns einfach zur Gewohnheit und es passiert automatisch. (Oder auch nicht. Das sind dann die Menschen, die mit den Öffis fahren und dabei ihre Duftnote mit allem im Zug teilen.)

Psychohygiene hingegen wird selten explizit angesprochen. Oder hat eure Mutter euch mal vom Essesstisch geschickt, weil ihr noch nicht sauber genug in der Psyche wart? Nein? Mich auch nicht. Mit schmutzigen Fingern nach dem Sandkastenspiel aber schon.

Es ist also eine Kompetenz, die man sich selbst aneignen muss.
Wie geht es mir gerade? Was macht Situation xy mit mir? Ich fühle mich unwohl? Woran liegt das?

Problem? Lösung!
Gerade in Gesundheitsberufen oder bei anderen Kontakten mit dem Schicksal anderer (aber auch dem eigenen!) hat man quasi nur zwei Optionen der Coping-, also Überwindungsstrategien;

Möglichkeit A:
‚Oh. Da ist grad wer verstorben. Das fühlt sich nicht gut an für mich. Da muss ich drüber sprechen. Oder etwas zu schreiben. Oder laufen gehen. Oder *hier individuelle Strategie einfügen*, damit es mir wieder besser geht.‘ 
Das ist gesund. Zu merken, dass es einem nicht so gut geht, es ansprechen, die Ressourcen zu nutzen, die man hat. Wege zu gehen, von denen man weiß, dass sie helfen.

Möglichkeit B:
‚Ach. Ne Leiche. Hab ich ja schon tausende gesehen. Macht mir gar nichts. Reden? Nee, lass mal, das ist für Schwächlinge.*Hier beliebigen Mackerspruch einfügen.*‘
Das klingt für mich eher ungesund.

Reifen vs. Verrohen.
Alles in Allem finde ich, sollte man sich immer wieder folgende Frage stellen.
‚Kann ich mit dieser Situation umgehen, weil ich reifer geworden bin, oder bin ich bloß so sehr verroht, dass ich keine adäquate Reaktion auf dieses Ereignis mehr zeigen kann?‘.

Psychohygiene sehe ich als ständige Gratwanderung an. Auf der einen Seite die Empathie für Betroffene zu erhalten, auf der anderen Seite sich selbst in ausreichender Menge zu schützen.
Dies geht allerdings nur, wenn man sich mit sich selbst beschäftigt, Gefühle zulässt und hinterfragt und eben ausreichend Ventile hat.

Meine Strategie
Ein Ventil, auch für mich, ist beispielsweise schwarzer Humor.
Mit Kollegen nach einem Dienst humorvoll über die Ereignisse des Tages zu sprechen hilft mir auf der einen Seite in mich herein zu spüren ‚Ist alles tutti, Psycho?‘ und auf der anderen Seite, in der Reaktion meines Gegenübers zu sehen, ob ich, in seinen Augen noch angemessen mit der Situation umgehen kann.
Mir reicht meine Psyche besenrein. Wenn mal Krümel auf dem Boden liegen, muss ich zwar fegen, aber Großputz mache ich nur alle paar Monate mal, dann meistens in Form von ‚Gönn dir was Tagen‘, an denen ich es mir einfach mal richtig gut gehen lasse.

Wie handhabt ihr eure Psychohygiene?

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Autor:

Lebt, liebt, lernt, träumt den Traum vom Medizinstudium. HiOrg, RS, Staatsexamen MTLA vor der Tür. Lebt vom Partymolekül in ihrem Blut.

5 Kommentare zu „Themenwoche Psychohygiene

  1. Richtig toll geschrieben! Vor allem der Aspekt „Reifen vs. Verrohen“ ist gut angesprochen. Eine Frage, die man sich wirklich besser regelmäßig stellt und dann gegebenenfalls den Kurs ein bisschen anpasst. 🙂

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