Veröffentlicht in MTLA, Neustart

MTLA! MT-Was?!

 

‚Was machst du eigentlich für eine Ausbildung?‘ ‚Ich werde MTLA!‘ ‚MT-Was?‘

Ein Gespräch, dass ich in den letzten Jahren des Öfteren führte…

Ich werde (und langsam wird es arg real!) MTLA. Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin.

Um MTLA zu werden besucht man drei Jahre lang eine Schule, davon war bei mir ein knappes Jahr die praktische Ausbildung, also ein Praktikum in vielen möglichen Fachbereichen, die der Beruf zu bieten hat.

Die Ausbildung endet (wie bei mir, los geht’s schon in weniger als drei Wochen!) mit dem Staatsexamen bestehend aus zwei Klausuren (einmal Haupt- und einmal Nebenfächer), sowie vier praktischen Prüfungen (in den vier Hauptfächern), gefolgt von vier mündlichen Prüfungen (ihr ahnt es, in den Hauptfächern).

‚Und was macht eine MTLA?‘ ‚Sie arbeitet meistens in einem medizinischen Labor.‘

Das war dann meistens der Moment in dem mein Gegenüber häufig nickte. Ich aber auch oft wusste, dass mein Gegenüber nicht wirklich weiß, was ein medizinisches Labor so macht.

Also: Was tun wir?

Man kann sich schön an unseren vier Hauptfächern richten, sie geben ganz gut wieder, in welchen Fachbereichen ein medizinisches Labor arbeitet.

  • Hämatologie ist die ‚Kunde des Blutes‘ und beschäftigt sich mit den einzelnen Bestandteilen des Blutes. Im Vordergrund stehen hierbei (bei den Untersuchungen) in aller Regel die Zellen. Zur Hämatologie zählt beispielsweise das Blutbild, aber auch Blutgruppenbestimmungen (zB vor einer Bluttransfusion, dieses spannende, aber auch sehr Verantwortungsträchtige Spezialfeld heißt auch ‚Immunhämatologie‘.) und irgendwo auch die Hämostaseologie, also die Gerinnung.
  • Klinische Chemie, umgangssprachlich, aber nicht ganz korrekt wohl auch schon mal ‚Blutchemie‘ genannt, befasst sich meistens mit im Blut, genauer in seinen flüssigen Bestandteilen gelösten Stoffe. Beispiele, die ihr kennen könntet wären Calcium, Natrium, Kalium, aber auch Eisen, Leber- und Nierenparameter oder Hormone und unglaublich viele andere Stoffe! Allerdings nutzt die klinische Chemie für ihre Untersuchungen auch Urine (bspw. Teststreifendiagnostik und Sedimentuntersuchung als der sogenannte ‚Urin-Status‘) und Liquor cerebrospinalis, also zu gut Deutsch: Gehirnflüssigkeit. Ihr merkt es, die ‚klinische‘ ist wahnsinnig umfangreich und heute auch zumeist stark technologisiert, man arbeitet an ‚Autoanalysern‘ die uns die eigentliche Analysearbeit (i.d.R.) abnehmen, hier müssen die Ergebnisse von uns technisch ‚validiert‘ also bestätigt werden. (Hat das Gerät korrekt gearbeitet? Sind die Ergebnisse plausibel?)
  • Mikrobiologie befasst sich, ich denke das kann man so sagen, mit Krankheitserregern: den Bakterien, Viren, Parasiten und Pilzen. In der Regel werden die Errger (vor allem Bakterien und Pilze) ‚kultiviert‘, das heißt wir versuchen sie dazu zu bringen auf unseren Nährmedien zu wachsen. Anschließend versuchen wir herauszufinden um welchen Fiesling es sich handelt (Indentifizierung) und wie man ihn bekämpfen kann, die sogenannte Resistenztestung. Die Arbeit hier ist vielseitig und die Probenmaterialien (Urin, Stuhl, Abstriche, Sputum*, Blut, …) nicht immer appetitlich. Dafür kann man noch viel ‚per Hand‘ machen und spielt quasi bei jedem Fall ein bisschen auch Detektiv! (*googelt das keinesfalls wenn ihr leicht zu ekeln seid!)
  • Histologie, die Lehre des Gewebes. Nach (oder sogar während!) operativen Eingriffen werden meistens kleine Gewebeproben (manchmal aber auch ein ganzes Organ…) in ein pathologisches oder histologisches Labor geschickt. Hier sucht ein Pathologe dann Bereiche aus, die auf veränderte oder kranke Zellen hinweisen und die MTLAs stellen hieraus durch Fixieren (also dem Schutz vor Fäulnis und ähnlichen Abbauprozessen), Einbetten in Paraffinwachs (um das Organstück zu stabilisieren), schneiden in ultradünne Scheibchen (meist 3-5mikrometer) und anschließendem Anfärben schöne Präparate her, die der Pathologe dann bewertet und sein Ergebnis dem Klinker, also dem behandelnden Arzt mitteilt.

…und das sind nur unsere Hauptfelder! Ihr seht schon, es ist ein Recht facettenreicher Beruf!

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig Licht in die Frage bringen ‚Was macht die eigentlich?‘ und freue mich, dass ihr mir in den letzten Zügen der Ausbildung über die Schulter schaut! 🙂

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Autor:

Lebt, liebt, lernt, träumt den Traum vom Medizinstudium. HiOrg, RS, Staatsexamen MTLA vor der Tür. Lebt vom Partymolekül in ihrem Blut.

12 Kommentare zu „MTLA! MT-Was?!

  1. Sehr schön beschrieben! Danke für den Einblick. 🙂

    Drei Wochen nur noch? Fühlst du dich gut vorbereitet? Drei Jahre Wissen ist sicher furchtbar viel aufzubereiten… 😱

    1. Irgendwie schon witzig.. Ich hin über den tweet von Hermione, auf deinen Blog gekommen. Den rescue Blog lese ich weil ich irgendwie im Thema bin und bei dir gibt es scheinbar auch Schnittstellen zum Rettungsdienst. Was ich witzig finde ist die Tatsache, dass ich jetzt nach 16 Jahren MTLA meine feste Stelle an einer Uni an den Nagel gehängt hab um demnächst die Ausbildung zum NotSan zu machen. Wir machen also irgendwie Schichtwechsel. Viel Glück beim Examen. Viele Grüße

      1. Na, das ist ja echt ulkig! 🙂
        Ich wünsche dir super viel Spaß in der neuen Ausbildung.
        Sollte ich noch eine Ausbildung machen, dann wäre es auch bei mir der Notfallsanitäter 🙂

    2. Gern! 🙂
      Ja! Drei Wochen! Ich raste schon richtig aus, habe jetzt aber auch endlich dem nötigen Druck ausgesetzt um loszulegen! 🙂
      Gefühlt ist es unschaffbar viel und ich bin miserabel vorbereitet. Aber das dachte man beim Abi ja auch schon. Und beim RS. Und so! 😉

  2. Zum einen: Boah, das klingt unheimlich spannend *-* Wobei ich eh sehr viel medizinisches aktuell superspannend finde und überlege zu wechseln. Damn it.

    zum anderen: Die „WAS MACHST DU?“ -Reaktion hab ich bei meinem Ausbildungsberuf FiSi – Fachinformatiker für Systemintegration auch gehabt 😀 Ich glaub einfach, dass viele unsichtbare Berufe bei den meisten einfach ein großes Fragezeichen auswerfen.

    1. Krüml ich mache gerade die Ausbildung zur FachinformatikerIN Systemintegration, da sind die Reaktionen noch besser. Einerseits weil die Leute sich nichts drunter vorstellen können und andererseits so eine Aussage nicht von einer Frau erwarten 😀

      1. Oh, dazu hätte ich sagen sollen, dass ich auch weiblich bin und einfach nur zu faul bin, das IN anzuhängen 😀 Aber ja, da hast du recht „Was will denn eine Frau mit Computern?“ Is immer wieder super 😀

    2. Es IST super spannend, aber eben auch super viel, die Ausbildung ist unbezahlt uuuund der Job eher unterbezahlt. 😅
      Ja! Aber es kann ja nun auch nicht jeder Lehramt studieren oder Kaufmann/-Frau werden ☺️

      1. Ach, mit unterbezahlt hätte ich kein Problem, das habe ich jetzt schon. Aber ich bin auch einfach nicht in der Lage für nen besseres Gehalt zu kämpfen und aktuell eh in Babypause ^^‘ Wird man für die Ausbildung denn überhaupt bezahlt oder muss man das selbst zahlen, weil schulisch? Und wie sind die Arbeitszeiten so? (wie gesagt: baby)

        Eben! Die coolen-abkürzungs-Jobs sind eh die geilsten. Wobei ich inzwischen sage, dass ich Netzwerkadmin bin (oder aufmformularen einfach nur Informtikerin). Versteht auch keiner, was das sein soll, und das ohne Abkürzung 😀

      2. Wie unfreundlich von mir, habe irgendwie nur in meinem Kopf geantwortet…

        Einige Schulen sind (fast) kostenfrei.
        Ich habe einen Aufnahme-Papiergeld-Kittelwäsche-Geld bezahlt und muss bald noch knapp 100€ fürs das Examen (Führungszeugnis, Ärztl. Bescheinigung und Urkunde) zahlen…

        An anderen Schulen zahlt man aber tatsächlich monatlich dreistellige Beträge…

        An meiner Schule war Kernschulzeit von halb neun bis halb sechs. Happig. Aber oft zerrissen. (Heißt: du hast mittendrin auch mal 2-4 Stunden frei. Brachte mir nicht sooo viel, da ich knapp 1,5 Std/Strecke pendele)
        Im Praktikum wird dann meistens im Früh- oder Tagesdienst (also zwischen 6 und 9 Uhr idR) gestartet. Da sind die Labore aber gerade bei Müttern noch flexibel. Klar! Ist halt auch unbezahlt 😉

        Ich habe den Lernaufwand als sehr hoch empfunden und weiß nicht ob ich es mit Kind schaffen würde. Kenne aber Leute, die ein Kind haben, es locker packen und noch nen Nebenjob machen. (Respekt! Da fühle ich mich direkt faul!)

        Meld dich ruhig wenn dich noch etwas interessiert! 🙂

        Liebe Grüße! 🙂

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