Veröffentlicht in Neustart

Lernen!

Puh. Um ehrlich zu sein ist mir in der letzten Woche ganz treffend klar geworden, dass ich eigentlich so gar nicht weiß, wie Lernen geht.

Seit ich denken kann mache ich nur eines um etwas zu lernen:

  1. Man kann es auswendig lernen? 
    Super! Ich schreibe es mehrfach ab, kürze es dabei gegebenenfalls zusammen und wiederhole die Prozedur bis es klappt. Wenn ich richtig motiviert bin (Ahahaha. Wenn die Zeit mal reicht weil ich früh genug begonnen habe) erfinde ich mir an den Haaren herbeigezogene Eselsbrücken oder packe den Stoff auf Lernkarteikarten an die ich höchste ästhetische Ansprüche habe. (Ordentlich geschrieben, schön bunt markiert, ausgewogen. Einfach hübsch!)
    Im Anschluss gehe ich es so lange durch, bis es sitzt.
    Hat im Abi super geholfen. Und auch im Rettungssani!
    Für die MTA-Ausbildung wurde es schon schwerer. Es fiel mir lange schwer ‚die Spreu vom Weizen‘ konsequent zu trennen und ‚Zusatzwissen‘ auch als solches anzuerkennen und höchstens dann zu lernen wenn die Basis sitzt (also eigentlich fast nie). War schwer.
    Gleichzeitig waren es oft solch wüste Mengen an Stoff mitten in einem Hagel aus Klausuren, da hieß es schon ‚dran bleiben‘, damit die Klausur klappte…
    Irgendwann im zweiten Lehrjahr hat es offenbar Klick gemacht und seitdem ging es etwas besser.
  2. Man muss es verstehen?
    Geht auch noch!
    Ich (oh Wunder!) schreibe es ab oder fasse es soweit es geht in eigenen Worten; gerne Stichpunkten zusammen und versuche es mir immer wieder zu erklären. Besonders gut klappt es, wenn ich es jemand anderem erklären kann. (Meine Mutter hat jetzt übrigens rudimentäre Ahnung von Immunophänotypisierung…)
    Hier merke ich am ehesten, wenn es irgendwo noch hakt…
  3. Man muss es anwenden?
    Tja nun.
    Ich ähm… schreibe es mir auf, versuche es zu sortieren, schreibe mir, falls es etwas praktisches ist eine Anleitung (im Labor, und auch aus dem Rettungsdienst sowie dem Krankenhaus kenne ich den Begriff ‚SOP‘, Standard operating procedure) und versuche nach dieser mein Vorhaben durchzuführen. Gegebenenfalls wird sie angepasst  und im Anschluss auswendig gelernt. Gerne auf Karteikarten. Und mit Eselsbrücken die wohl echt nur mir helfen können. Oft ist es mehr Lernleistung sich die Eselsbrücke als die Fakten zu merken. Aber ja…

Zusammenfassend…
…lässt sich also sagen, dass ich vor allem zwei Dinge tue:

  • Schreiben, also abschreiben, zusammenfassen, Stichpunkte oder eine Anleitung erstellen, dies dann eventuell mit netten Eselsbrücken, Abbildungen oder Skizzen versehen und auf Karteikarten bringen. Per Hand! Zusammenfassen mit Füller, Karteikarten mit Kuli, Ergänzungen aus Vorlesungen zunächst mit Bleier. Und dann?
  • Auswendig lernen oder zumindest üben, es so nah wie möglich wiederzugeben, gerne mit creapy Hintergrundinfos oder sinnlosem Zusatzwissen, dass natürlich (!) immer zuerst im Hirn hängen bleibt. Was auch sonst. Die AML M5 wird übrigens statt mit einer Chemo mit Vitamin A therapiert. Glaube ich. Krasser shit, oder?!

Das Problem?
Meine Methode, im Kombi mit dem Zeitaufwand, den ich bereit bin (war?) zu Opfern klappte im Abi noch ganz gut. Im Rettungssanitäter auch (seriously? Ich lernte nur in der Woche vor der Prüfung und irgendwie auch nur wegen der krassen Zimmernachbarin. Streberin!), aber mit Beginn der MTLA-Ausbildung kollidierte es etwas…
Viel Stoff, viel Pendelei, wenig Überblick, wenig Motivation.
‚Am Abend vorher‘ klappte anfangs noch irgendwie, spätestens nach den ersten Klausuren war aber klar, ein ’sehr gut‘ ist hier mit etwas mehr Lernaufwand verknüpft ist. Die Frage ‚Will ich weiterhin die 1er Schülerin sein?‘ oder ‚Will ich nur sporadisch mal lernen?‘ konnte ich mir bis zuletzt nicht wirklich selbst beantworten.

Dennoch kam ich einigermaßen durch. Einige Nächte lang habe ich zum Teil 150 Karteikarten erstellt und diese vorm schlafen und auf der Bahnanreise jeweils 1-5 Mal durchgearbeitet, die Klausur dann irgendwie bestanden. Immer erstaunlich gut!
Effizient wäre aber anders gewesen…
Immer mal wieder habe ich verzweifelt geheult und auch heute noch merke ich Lücken. Bulimie-Gelerntes bleibt halt nicht auf die Rippen, gell?

Und akut? Die Hand!
In der letzten Woche kam ich in ernstere Probleme.
Mitten in den letzten Metern und quasi auf Lernkarteikarten in Richtung Examen fing mein Daumen an zu zicken. Erst noch moderat. Strecken, Hände warm waschen, kurze Pause, Stiftwechsel. Geht wieder.
Dann kam der Unterarm dazu. Vor allem die Muskulatur. Krämpfe, Bewegungseinschränkungen. Also gewärmt, Voltaren, weniger geschrieben.

Aber irgendwie wurde es nicht nennenswert besser.
Auch nicht mit Tape. Auch nicht mit gar nicht mehr schreiben. Auch nicht mit vollkommenen ruhigstellen und Ibuprofen in Dosierungen, die ich mir normalerweise nie geben würde. Puh.
Reinste Verzweiflung.
Nicht unbedingt wegen der Hand und den Schmerzen. Das ließ sich aushalten.
Sondern aus Panik.
Wie zur Hölle lernt man ohne zu schreiben neues Wissen?

Könnt ihr aus dem Skript lernen? Aus fremder Leuts Zusammenfassungen? 
Wie lernt ihr? 

(P.S.: Wer gestern hier las, der weiß nun, dass ich mittlerweile beim Doc war und ne Spritze bekam. Das ‚Problem‘ mit der Hand ist fürs erste weg… Mal sehen. Schreiben ist immerhin wieder hin!)

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Autor:

Lebt, liebt, lernt, träumt den Traum vom Medizinstudium. HiOrg, RS, Staatsexamen MTLA vor der Tür. Lebt vom Partymolekül in ihrem Blut.

3 Kommentare zu „Lernen!

  1. Zusammenfassungen von Anderen gehen bei mir gar nicht. Vielleicht um in das Thema reinkommen wenn man gefehlt hat, aber mir fehlen meine Notizen. Jeder sieht was anderes als wichtig an oder kann mit der Randnotiz besser lernen als der Andere.
    Durch meine Notizen würde auch niemand durchblicken. Aber ich kann super mit lernen.

    1. Genau so gehts mir auch 🙂 Zusammenfassungen von anderen helfen mir halt am ehesten in der Fragestellung ‚Ist es viel?‘ oder ‚Wie könnte man das sinnvoll strukturieren?’… 😉

  2. Toller Artikel! Ich lerne auch am besten durch schreiben, zusammenfassen, schreiben, es Herr Haustier erklären, schreiben …
    Prägt sich für mich am besten ein. Lesen (und hören) hilft mir nur, wenn ich mir Notizen mache, und sei es auf nem Post-it im Buch.

    Schnell geht das nicht, schreiben dauert ja leider länger als lesen. 😄
    Deswegen muss ich wohl oder übel regelmäßig lernen, nicht erst kurz vor der Klausur. Es ist dann tatsächlich auch entspannter – ein völlig neues Gefühl für mich. (Vor meiner mündlichen Abi-Prüfung hab ich am Abend vorher angefangen mir den Stoff einzuteilen und dann die ganze Nacht auswendig gelernt. Waren 14 Punkte und die beste Prüfung meines Kurses 😂)

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