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Was ich lerne? Hämatologie! Teil 1

Das schriftliche Staatsexamen meiner Ausbildung zur MTLA (medizinisch technischen Laboratoriumsassistentin) hat bereits begonnen, aber genug gelernt hat man ja quasi nie!

Daher habe ich mich dafür entschieden euch mit der Reihe „Was ich lerne“ einen kleinen Einblick in die Themen zu geben mit denen sich angehende MTLAs so beschäftigen.

Den Einstieg möchte ich heute gerne mit einem Fach machen, für das ich eine gewisse Hass-Liebe empfinde;

Hämatologie

Hämatologie?
Was ist das eigentlich? Nun, Hämato-logie stammt aus dem griechischen und steht für Die Kunde vom Blut und das beschreibt ziemlich genau den Inhalt der Hämatologie.

In meiner Ausbildung ging es von der Blutbildung und den blutbildenden Organen über das physiologische, also das gesunde und normale Blut zu den verschiedenen Bluterkrankungen.
Super spannend, aber auch super viel zu lernen und zu beachten.

Ungefähr in dieser Reihenfolge möchte ich auch hier vorgehen, das Thema heute ist also die Blutbildung, auf klug heißt sie Hämatopoese. 

Schon sehr lange, bevor wir geboren werden, beginnt unsere Körper mit der Hämatopoese, er stellt unser erstes eigenes Blut her! Creepy!
Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns noch intrauterin, also der Gebärmutter unserer biologischen Mama und haben eh nicht viel anderes zu tun als all die krassen Dinge herzustellen, die wir nach der Geburt gegebenenfalls benötigen werden.

Wir haben einen Dottersack, das klingt fast etwas nach Huhn und Ei, und bilden hierin kleine Blutinseln, bereits wenige Tage, nachdem wir überhaupt aus Eizelle und Spermium entstanden sind. (Ein krasses Wunder, oder?!)
In unserer Embryonal- und Fetalperiode, also im 0.-4. Monat nach unserem entstehen findet unsere Blutbildung Mesodermal statt, das heißt,  im mittleren Keimblatt unserer Embyroblasten.
(Puh. Ja. Wenn ich Medizinstudentin bin, dann erkläre ich das genauer. Versprochen! Echt!)

Bereits im 2. Monat nach der Befruchtung beherrschen wir nun auch die hepatolienale Blutbildung, also stellen Blutzellen in Leber und Milz her.
Wir besitzen dort schöne Stammzellen, die schon echtes Blut herstellen können!
Erstmal stellen wir reife Erythrozyten,  also rote Blutkörperchen her. Allerdings enthalten diese noch Zellkerne, aber das bekommen wir auch noch hin…

Bereits im 5. bis 9. Monat nach unserer Befruchtung stellen wir das Blut fast so her, wie wir es auch als erwachsene noch tun werden, medullär, also in unseren Knochen.
Zunächst, im roten Knochenmark, das haben wir als Kleinkind in fast allen Knochen unseres Körpers , später dann nur noch im roten Knochenmark der flachen, zentralen Knochen unseres Skeletts (also im Brustbein; zu klug Sternum, den Wirbelkörpern und dem Beckenknochen. An anderen Orten (vor allem den Röhrenknochen) wird das rote Knochenmark langsam aber sicher durch Fettmark ersetzt…)

Die medulläre Blutbildung im roten Knochenmark dieser flachen, zentralen Skelettknochen nennt man dann adulte (also erwachsene) Hämatopoese.

Klingt schon krass? Ist aber nur ein kleiner Auszug über die Geschichte, wie wir unser erstes, eigenes Blut herstellen. Meisterwerk Körper, ey!

Und nun? So nach unserer Geburt?

Blut ist ein leider nicht sehr haltbares Produkt und muss daher ständig erneuert werden, die adulte Hämatopoese betreiben wir daher unser Leben lang.
Pluripontente, also vieles könnende Stammzellen bilden einen Regnerationspool für die Blutbildung.
Kurz gesagt, wir haben Stammzellen, die sich zu jeder Zelle unseres Blutes entwickeln können und die beim Gesunden sicherstellen, dass wir immer wieder neues Blut herstellen können.
Diese pluripotenten, also vieles könnenden Stammzellen sind solch schlaue Kerlchen, sie können Kopien von sich selbst herstellen, wir nennen diese Fähigkeit Sukzedianteilung.
(Ja, manchmal, wenn ich von Zellen rede, bekomme auch in den Eindruck, sie sind wie Pokémon. Man fängt sie, trainiert sie und gibt dann mit ihren Fähigkeiten an. Gonna catch ‚em all!)

Aber was genau stellen wir da für Zellen her in unserem roten Knochenmark?

  • img_3666
    Blutausstrich! 🙂

    Erythrozyten, also die roten Blutkörperchen. Ihr wisst schon, diese, die aussehen wie kleine, rote Donuts bei denen aber das Loch in der Mitte nicht so recht vorhanden ist.
    Ihre Bildung und Reifung, die sogenannte Erythropoese wird durch das Hormon Erythropoetin angeregt, sie sind die einzigen Zellen in unserem Blut, die keinen Kern enthalten.
    Die, auch liebevoll Erys genannten Zellen spielen eine sehr wichtige Rolle in unserem Körper, da sie den Sauerstoff, den wir einatmen mit dem Blut zu den sauerstoffhungrigen Zellen transportiert.

  • Thrombozyten, also die Blutplättchen, viel kleiner als die roten Erys und unterschiedlich geformt, aber immer flach. Sie dienen der Blutgerinnung (Klug übrigens Hämostase) und verstopfen jedes ungewollte Loch in unserem Blutkreislauf so schnell wie möglich. Manchmal übertreiben sie aber auch…
    Ihrer Bildung geht die Bildung des Megakaryozyten (in der Megakaryopoese) voraus, aus ihm folgert die Thromopoese, benötigt wird Thromopoetin, – so machen wir die Thrombozyten.
  • Leukozyten, also unsere weißen Blutzellen stellen wir in der Leukopoese her, hier wird allerdings noch weiter differenziert in: Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten. So oder so, wir brauchen CSF, den Colony-stimulating-factor um ihre Bildung anzuregen.
    Sie sehen, für das geübte Auge, unterschiedlich aus und wir stellen sie zu unterschiedlichen Zwecken her, aber sie haben alle etwas damit zu tun unseren Körper gesund zu halten.

Ihr seht, Hämatopoese ist ein umfangreiches Unterfangen unseres Körpers, nicht nur, dass er fehlerfrei die Blutzellen produzieren muss, nein, sie müssen im Anschluss daran in der Regel auch vernünftig ausreifen und im richtigen Moment in das Blut gespült werden. Zu früh wäre arg doof, zu spät ist ihre Lebenszeit ‚da draußen‘ natürlich geringer…

Und übrigens: Geht es unserem Körper mal richtig dreckig und wir brauchen mehr Blutzellen, so kann das blutbildende, rote Knochenmark dass Fettmark wieder ersetzten und in größeren Skelettbereichen Blutzellen herstellen.
Kommt es dann hart auf hart, sind wir richtig schwer krank, dann kann es unter diesen, pathologischen Umständen auch wieder zu extramedullärer Blutbildung, also Blutbildung außerhalb der Knochen (also in Leber und Milz) möglich… Aber soweit sollte es besser echt nicht kommen!

Hämatopoese, – ein krasses Thema!
Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen was lernen und nachvollziehen, was ich versuche zu erklären, fühlt euch frei Fragen zu stellen! 
Mir hat das Zusammenfassen jedenfalls geholfen! 🙂

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Autor:

Lebt, liebt, lernt, träumt den Traum vom Medizinstudium. HiOrg, RS, Staatsexamen MTLA vor der Tür. Lebt vom Partymolekül in ihrem Blut.

3 Kommentare zu „Was ich lerne? Hämatologie! Teil 1

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